Bürgler Beratungen

Beratung für Eltern und Kinder mit Autismus

Blog

29.5.21

Kreativität ist gefragt!

So, endlich melde ich mich wieder einmal! Irgendwie war gerade sehr viel los: zuerst hatten die Kids Schulferien, da beschäftigte ich mich zu einem grossen Teil des Tages mit ihnen und dem bisschen Haushalt.

Und danach waren es ein paar turbulente Wochen bei der Arbeit. Nun, hier bin ich wieder!

Als Eltern muss man kreativ sein, und als Eltern eines von Autismus betroffenen Kindes erst recht. Oft braucht es viel Fingerspitzengefühl und unkonventionelle Lösungen, um den Alltag mit solchen Kindern positiv und für alle gewinnbringend zu gestalten.

So hat auch mein Sohn, wie viele Autisten, seine liebe Mühe mit dem Essen. Alles, was ausserhalb seines kleinen Kreises aus Speisefavoriten liegt, wird nur in mikroskopischen Mengen zu sich genommen. Da ich nicht gross Lust habe, mich immer nur von den drei gleichen Menüs zu ernähren, gibt es bei uns halt auch Dinge, die er nicht so mag.

Nach Ostern lockten nach dem Essen die Schoggiosterhasen. Seine Taktik war: sich beim Gemüse vornehm zurückhalten, dafür sich danach genüsslich über die Schoggiosterhasen hermachen.

Diese Taktik missfiel jedoch mir als Mutter, die seine ausgewogene Ernährung in Gefahr sah. Ein Plan musste her!

Von nun an musste er wägen, wieviel er sich vom Mittagessen schöpfte. 10 % dieses Gewichts durfte er dann vom Schoggiosterhasen verputzen.

Und es hat geklappt! Wägen und ausrechnen, das weckt den Wissenschaftler in ihm. Und es war für ihn logisch nachvollziehbar, klar und sachlich – er machte einfach mit und arrangierte sich mit dieser Regel.

Mittlerweile sind alle Schoggiosterhasen gegessen, es ist kein Thema mehr und wir haben diese Massnahme wieder aufgehoben. Aber diese klare, individuelle Regel hat uns für eine gewisse Zeit geholfen und den Alltag ein bisschen erleichtert.

   

9.3.2021

Der Minecraftkuchen

Einer meiner Söhne hatte kürzlich Geburtstag - und er LIEBT Minecraft. Deshalb wünsche er sich einen Minecraft-Kuchen zum Geburtstag. Damit seine Mutter auch versteht, was er genau will, druckte mein Sohn schnell ein entsprechendes Bild aus. Nichts wird dem Zufall überlassen!

So traten wir in die Verhandlung: bald darauf war entschieden, dass wir als Grundlage einen Rüeblikuchen backen würden - natürlich quadratisch. :-) Der weisse Zuckerguss darauf entsprach natürlich ebenfalls der Vorlage. Und die roten Quadrate? Wir fanden die Lösung in rot gefärbtem Marzipan, das mein Mann zusammen mit meinem Sohn schön nach Vorlage in Quadrate schnitt und den Kuchen dekorierte. 

Schlussendlich war mein Sohn total zufrieden mit seinem Kuchen und genoss seinen Geburstag - was will man mehr?

Die entsprechenden Bilder findet ihr auf Facebook unter "Bürgler Beratungen". :-)


10.2.2021

Struktur, Struktur, Struktur…

Man gewöhnt sich ja an seine Kinder. Man weiss mit der Zeit, was funktioniert – und was nicht. Und dann ist man einmal etwas unaufmerksam, vergisst entsprechend zu informieren – und beinahe wäre es ausgeartet…

Mein Sohn hat jede Woche dienstags Musikunterricht, und normalerweise informiere ich ihn mittags und wenn er von der Schule am Nachmittag nach Hause kommt, dass er eben dann noch Musikunterricht habe. Tja, und gestern habe ich die Info am Nachmittag vergessen. Kurz bevor wir losmussten wies ich ihn darauf hin, dass er sich selbst doch bitte bereit machen solle. Er wurde sofort gestresst und er musste ein bisschen ausrufen – aber dank der Tatsache, dass er seine Musiklehrerin mag, konnte er sich in Rekordzeit umstellen und seine Jacke und Schuhe anziehen. Puh, gerade nochmals gut gegangen…

Das ist ein Aspekt, was das Elternsein bei ASS-Kindern immer wieder so anstrengend macht: dieses permanente Für-Andere-Denken. Wenn Du selbst nicht voll auf Zack bist, riskierst Du einen Vulkanausbruch unbekannten Ausmasses. Vielleicht bleibt der Vuklanausbruch aus, vielleicht dampft es nur aus ein paar Löchern – oder du musst um dein Leben fürchten.

Von aussen sieht man diese immense Arbeit von Eltern mit von ASS betroffenen Kindern nicht – die Anerkennung ist rar. Umso wichtiger, dass sich solche Eltern Auszeiten für sich selbst zum Auftanken schaffen. Was brauchst Du? 


11.1.2021

Wieder Homeschooling - wie mache ich  das nur?

An unserem Wohnort hat die Schule soeben wieder begonnen. Und in dieser speziellen Zeit, der Corona-Pandemie, stellt sich ja immer wieder die Frage: wie geht es mit der Schule nach den Ferien weiter? Gibt es Homeschooling, Halbklassenunterricht oder alles ganz normal?

Ich empfand die Homeschooling-Situation im Frühling 2020 als enorm herausfordernd: ich habe drei Kinder, die Jüngste damals noch im Kindergarten. Und alle drei mussten an ihren Programmen arbeiten, brauchten immer wieder Unterstützung oder spezielles Material für ihre Aufträge. Und auch die IT forderte mich heraus (obwohl wir in einer extrem privilegierten Situation mit genügend Geräten waren). 

Das herausforderndste war jedoch, meine beiden Söhne mit ASS dazu zu bringen, dass sie auch die Aufträge in den weniger beliebten Fächern bearbeiteten. Es brauchte sehr viel Präsenz, Motivationsversuche und Unterstützung meinerseits.

Was hat jedoch geholfen?

Ich habe jeweils anfangs der Woche, wenn sie ihren neuen Aufträge bekamen, mit ihnen zusammen einen Wochenplan erstellt: wir haben zusammen gut aufgeteilt, wovon sie wann wieviel machen. So wurde gewährleistet, dass am Ende der Woche alle Aufträge bearbeitet waren und es nicht am Freitag in ein Fiasko mit Tränen ausartete. So hatten meine Söhne jeden Tag ein erreichbares Ziel vor Augen und waren von der Aufgabenflut nicht mehr nur überwältigt und überfordert. Ein Beispiel eines solchen Planes habe ich gerade hier eingefügt:

So, und nun warten wir gespannt darauf, was der Bundesrat und die Erziehungsdirektoren entscheiden werden! 


23.12.2020

Wie stehe ich nur die Weihnachtsfeiertage mit meinem Kind durch?

Mein Sohn mit ASS-Diagnose freut sich immer auf die Ferien, kann sie kaum erwarten - aber nach einigen Tagen stellt sich bei ihm eine Sehnsucht nach der gewohnten Struktur ein - er würde am liebsten gleich wieder zur Schule gehen. Wie können die Ferien trotzdem für alle erholsam sein? 

Wenn uns dieses Jahr etwas gelehrt hat, dann dies: nichts ist beständig. Und gerade dieses Detail macht das Leben von autistischen Menschen besonders schwer. Viele von Autismus betroffene Menschen brauchen Routine, um sich von ihrer besten Seite zeigen zu können - ständige Überraschungen und Planänderungen stressen sie enorm.

Wie kann ich nun also meinem Kind in so einer Situation helfen?

Ich liebe Listen und Pläne - und ebenso meine Kinder. Es hilft ihnen, die Übersicht zu behalten. In diese Planung kommen sämtliche Aktivitäten: das Einkaufen, der Besuch beim Grosi, ja selbst die Menuplanung hat Platz. Einen Vorschlag für eine Ferienplanung findet ihr hier: . 

Hilfreich ist auch das Arbeiten mit Symbolen, falls die Kinder noch nicht gut lesen können.

So, und nun wünsche ich Euch frohe, erholsame Festtage und ein gutes neues Jahr!